Nach der Komplett-Sanierung kann sich die kleine Bücherstube Stolterfoth am Hamburger Rothenbaum – ein Entwurf des renommierten Baumeisters Werner Kallmorgen – wieder sehen lassen.
Foto/Grafik: H. Gessulat
Nur 44 qm misst der Buchladen, in dem Frank Bartling ein gut sortiertes Portfolio an Belletristik anbietet. Die Original-Pendelleuchten von Louis Poulsen sorgen für angenehmes Licht.
Foto/Grafik: Alice O’swald-Ruperti
Ein Foto aus dem Hamburger Architekturarchiv zeigt, wie der kleine Pavillon in den 40er Jahren aussah. Ebenfalls ein Schmuckstück: der Citroen Traction Avant sept, (Cabrio 1934-1946).
Buchhändler Frank Bartling sitzt wieder hinterm Verkaufstresen und ist froh, dass die Restaurierung seines Ladens überstanden ist. Seit fast 30 Jahren betreibt der Literaturwissenschaftler und Buchliebhaber die bekannte
Bücherstube Stolterfoht im Hamburger Rothenbaum-Quartier. Der kleine rechteckige Kubus mit der verglasten Fensterfront ist ein Entwurf des renommierten Hamburger Architekten Werner Kallmorgen. Jenem Baumeister der Nachkriegsmoderne, der auch den Kaispeicher verantwortet, auf dem jetzt die Elbphilharmonie trohnt. Dass Kallmorgen auch in sehr kleinen Maßstäben denken konnte, zeigt der Pavillon, den er kurz nach Kriegsende für die Buchhändlerin Greta Stolterfoth plante. „So bescheiden dieser Pavillon mit seinen gerade mal 44 qm Nutzfläche auch ist, symbolisiert er doch wie kein anderer Ort in Hamburg den Neuanfang, nachdem 12 Jahre Diktatur die Menschen innerlich regelrecht entstellt hatten. Die Bücherstube Stolterfoth gab den jungen Schriftstellern und Lesern Helmut Heißenbüttel, Peter Härtling und vielen anderen Hoffnung“, beschreibt es Schriftsteller Jan Bürger. 1949 eröffnet, entwickelte sich die Adresse an der klangvollen Rothenbaumchaussee 100 schnell zum lebhaften Treffpunkt für Bücherfreunde, Autoren und Kulturinteressierte.
Denkmalgerechte
Komplett-Sanierung
1997 übernahm Frank Bartling die Buchhandlung von Greta Stolterfoths Tochter. Im vergangenen Jahr, nach über 75 Jahren Dauernutzung, war das seit langem denkmalgeschützte Bauwerk in die Jahre gekommen, eine Sanierung überfällig. Um diese möglich zu machen, überschrieb Bartling den Pavillon Anfang 2025 an die Stiftung Denkmalpflege Hamburg. Für ihn alleine waren die Kosten nicht zu stemmen. Die Finanzierung (ca. 500.000 EUR) sowie Restaurierung übernahm die Hermann Reemtsma Stiftung. Ein herausforderndes Unterfangen, denn zunächst musste der Baukörper in seine rund 1.000 Einzelteile zerlegt werden, bevor diese nach denkmalgerechter Instandsetzung wieder zusammengefügt werden konnten.
Neue Errungenschaft:
eine Toilette
Eine echte Errungenschaft ist das neu installierte WC im hinteren Ladenteil. Das gab es vorher nämlich nicht. Was bedeutete, dass man zur Verrichtung des Geschäfts die umliegende Gastronomie aufsuchen musste. Das ist nun zum Glück Geschichte. Wichtige Erneuerungen sind zudem die Strahler unter der Decke und die Beheizung von oben. Die alte Nachtspeicherheizung wurde von einer beheizbaren Decke abgelöst, die für eine behagliche Atmosphäre sorgt. Neu errichtet wurde zudem der weiße Zaun, auf alten Fotos noch zu sehen, nun allerdings aus Stahl statt Holz. Und auch eine neue rot-weiß gestreifte Markise zum Schutz der Bücher vor Sonnenstrahlen wurde wieder montiert. "Mit Handkurbel, wie beim Original“, betont Bartling.
Anlaufstelle – nicht nur für Stammkundschaft
Noch immer hat die Bücherstube mit Schwerpunkt Belletristik („Wir haben alles – von Donna Leon bis zum Spiegel-Bestseller von Florian Illies.“) eine treue Stammkundschaft. Heute, an einem sonnigen Januartag, geben sich hier die Kunden die Klinke in die Hand. "Der beste Januar, den wir je hatten", freut sich der Unternehmer, der bereits zwei Mal mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde. Die Sanierungsmaßnahmen und die Wiedereröffnung wurden in den lokalen Medien thematisiert – jetzt wollen alle den frisch renovierten Laden ansehen. Die meisten nehmen auch gleich ein, zwei Bücher mit. Gut so, denn die Umsätze sind seit Jahren rückläufig. Amazon macht dem Händler – so wie der gesamten Branche – das Leben schwer. „Dabei sind Bücher, die man bei uns bestellt, genauso schnell verfügbar wie über Amazon“, so Bartling kopfschüttelnd. Aufgeben ist für den 64-Jährigen allerdings keine Option. „Ich werde weitermachen so lange es geht.“ Er denkt aktuell sogar darüber nach, kleinere Lesungen zu veranstalten. „Es gibt zwar nicht viel Platz hier, aber wenn alle ein Buch mitnehmen, könnte es sich lohnen.“ genialokal.de/buchhandlung/hamburg/stolterfoht/